Meine Nacken- und Schulterschmerzen hielten mich fast davon ab, Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Dann zeigte sie mir als Physiotherapeutin, was ich ändern musste.
Vor zwei Monaten hat uns unsere Tochter Lena eingeladen, nach ihrer Einweihungsfeier übers Wochenende bei ihr zu übernachten.
Natürlich möchte man als Mutter Zeit mit der eigenen Tochter verbringen. Trotzdem war ich kurz davor, abzusagen.
Nicht wegen der Fahrt. Nicht wegen der Feier. Nicht wegen der Arbeit.
Sondern wegen meiner Nacken- und Schulterschmerzen, die mich schon lange begleiten.
Zu Hause ist mein Mann Dieter es inzwischen gewohnt, dass ich mitten in der Nacht aufstehe und mich kurz ins Wohnzimmer setze. Die Schmerzen waren manchmal einfach nicht auszuhalten.
Aber ich wollte weder den Schlaf meiner Tochter stören noch morgens schlecht gelaunt sein, weil ich wieder am längsten brauche, um in die Gänge zu kommen. Ganz zu schweigen davon, nach Schmerztabletten zu fragen.
Ich habe bei jedem kleinen Geräusch während des Schlafens sofort ein schlechtes Gewissen. Deshalb wollte ich meiner Tochter ersparen, dass ich nachts durch ihre Wohnung schleiche oder morgens kaum ansprechbar bin.
Ich hatte einfach das Gefühl, ich würde ihnen die Stimmung verderben.
Planlos gingen meine Tage los
Ich bin jemand, der Probleme normalerweise sofort lösen möchte.
Und genau deshalb hatte ich schon fast alles ausprobiert, um diese Schmerzen und Verspannungen loszuwerden — leider ohne nachhaltigen Erfolg.
Ibuprofen, damit ich überhaupt einschlafen konnte. Physiotherapie mit Übungen. Eine Massagepistole. Wärme. Sogar einen neuen Matratzentopper.
Und im Schlafzimmer hatte sich die unterste Schublade mit Kissen gefüllt.
Das Nackenstützkissen aus der Apotheke. Das teure aus dem Sanitätshaus. Ein höhenverstellbares. Ein Wasserkissen. Und eins, bei dem ich mich gar nicht mehr richtig erinnere, warum ich es damals gekauft habe.
Dieter nennt die Schublade mittlerweile den „Kissenfriedhof". Ehrlich gesagt hat er damit nicht ganz unrecht.
Trotzdem sagte ich zur Übernachtung bei meiner Tochter zu.
Ich brachte es einfach nicht übers Herz, Lena abzusagen — vor allem, weil wir schon länger nichts zusammen unternommen hatten.
Die erste Nacht bei Lena
Ich legte mich wie immer auf die rechte Seite.
In Gedanken plante ich schon, wie ich nachts möglichst leise ins Wohnzimmer schleichen könnte, ohne die anderen zu wecken.
Als ich jedoch die Augen öffnete, war es bereits hell.
7:40 Uhr.
Ich hatte durchgeschlafen.
Kein tauber Arm. Kein Kribbeln. Kein Wandern ins Wohnzimmer.
Dieter meinte, es liege bestimmt an der Erschöpfung von der Hinfahrt. Und ich stimmte ihm erst einmal zu.
Aber irgendwie ließ mich die Nacht nicht los.
Beim Mittagessen drehte ich den Kopf ziemlich schnell nach links. Erst danach fiel mir auf: Mein Nacken hatte nicht wehgetan.
Dass ausgerechnet Lenas Gästebett mein Problem lösen könnte, glaubte ich trotzdem nicht. Dafür hatte ich schon zu vielen Bettartikeln eine Chance gegeben.
In der zweiten Nacht wartete ich fast schon auf den Schmerz.
Er kam nicht.
Sonntagfrüh, halb acht: wieder durchgeschlafen.
Ich saß auf der Bettkante und dachte kurz, ich würde noch träumen.
Selbst Dieter war verwundert.
„Du bist das ganze Wochenende kein einziges Mal ins Wohnzimmer gegangen."
Während beim Frühstück alle überlegten, was wir essen möchten, hatte ich nur einen Gedanken im Kopf:
Warum kann ich hier durchschlafen und ohne Nacken- oder Schulterschmerzen aufwachen?
„Es ist nicht das Bett"
Nach dem Frühstück nahm ich Lena kurz zur Seite.
„Lena, ich wache seit Jahren mit Schmerzen auf. Woher hast du dieses Bett?"
Sie musste erst einmal lachen.
„Es ist nicht das Bett", sagte sie.
Dann wollte sie mir unbedingt etwas zeigen.
Lena arbeitet seit vier Jahren als Physiotherapeutin. Wie ich später erfahren habe, hatte sie selbst vor einiger Zeit ähnliche Probleme beim Schlafen.
Sie nahm das Kissen vom Bett und bat mich, mich wieder hinzulegen — in genau der seitlichen Position, in der ich normalerweise schlafe.
Dann zeigte sie auf den Bereich unter meinem Nacken.
„Spürst du das?", fragte sie mich.
Ihre Hand lag zwischen meinem Kopf und meiner Schulter.
„Hier ist eine Lücke. Dein Kopf und deine Schulter liegen auf, aber dein Nacken hängt dazwischen in der Luft. Wir nennen das in der Praxis manchmal das Kissenloch."
Dann sagte sie:
„Und weißt du, wer diese Lücke die ganze Nacht ausgleicht? Deine Muskeln. Dein Nacken, deine Schultern, dein oberer Rücken. Acht Stunden lang. Jede Nacht."
Das machte plötzlich Sinn.
„Dann kannst du deinen Muskeln auch nicht übel nehmen, wenn sie morgens schmerzen oder verspannt sind", sagte sie.
Sie drückte leicht auf meine Schulter.
„Wenn dein Nacken nicht richtig gestützt wird, kann auch die Schulter stärker belastet werden. Und wenn dabei über Stunden Druck entsteht, kann sich das bei manchen Menschen auch als Kribbeln oder eingeschlafener Arm bemerkbar machen."
Zu hoch, zu flach oder einfach falsch
„Und was ist mit meinen Kissen?", fragte ich.
Lena nickte in Richtung meiner imaginären Kissen-Schublade.
„Die meisten Kissen sind entweder zu hoch oder zu flach. Dann knickt der Kopf entweder nach oben oder sinkt nach unten. In beiden Fällen bleibt der Nacken nicht in einer natürlichen Position."
„Aber ich hatte doch schon feste Kissen", sagte ich.
„Fest allein reicht nicht", antwortete sie. „Es muss zu deiner Schulterbreite und deiner Schlafposition passen. Und es darf nicht so hart sein, dass es sich anfühlt, als würdest du auf einem Ziegelstein schlafen."
„Und dein komisches Kissen?", fragte ich.
Sie drehte es um.
„Dieses hier hat zwei unterschiedlich hohe Seiten. Du probierst einfach aus, welche Höhe besser zu dem Abstand zwischen deiner Schulter und deinem Kopf passt. Die Wölbung ist dafür da, den Nacken zu stützen. Und der Memory Foam passt sich etwas an, statt sofort komplett zusammenzufallen."
Was der Orthopäde im Ärztezentrum erklärte
„Und woher weißt du das alles so genau?", fragte ich Lena.
„Weil der Cheforthopäde aus unserem Ärztezentrum uns darauf aufmerksam gemacht hat", sagte sie. „Seine Frau hatte nach einer Schulteroperation lange Schwierigkeiten, auf der Seite zu schlafen. Sie hatte vieles ausprobiert, aber erst mit einem Kissen, das ihren Nacken besser stützte, konnte sie wieder ruhiger schlafen."
Seitdem achtet er bei vielen Patienten zuerst darauf, wie sie nachts liegen — besonders bei Menschen, die morgens regelmäßig mit Nacken- oder Schulterschmerzen aufwachen.
„Natürlich ist ein Kissen nicht die Lösung für alles", sagte Lena. „Aber wenn die Schlafposition jede Nacht wieder dieselbe Fehlbelastung erzeugt, ist das ein Punkt, den man nicht ignorieren sollte."
Das war der Moment, in dem ich wirklich zuhörte.
Nicht, weil jemand mir ein Wunder versprach. Sondern weil mir zum ersten Mal jemand nachvollziehbar erklärte, warum Yoga und Physiotherapie tagsüber helfen konnten — und die Nacht vieles davon wieder zunichtemachte.
Die ersten zwei Wochen zu Hause
Auf der Heimfahrt schickte Lena mir eine Nachricht:
Ich bestellte es, als wir wieder zu Hause waren.
Beim Auspacken war ich skeptisch. Es roch kurz nach neuem Schaumstoff. Und ich dachte sofort: Bitte nicht schon wieder ein Kissen für die Schublade.
Die ersten Nächte fühlten sich ungewohnt an. Ich gab ihm aber die Zeit, die Lena empfohlen hatte.
Nach einigen Tagen merkte ich, dass ich morgens nicht mehr mit diesem steifen, „dichten" Nackengefühl aufwachte.
Nach etwa einer Woche schlief mein Arm nachts nicht mehr ein.
Und nach zwei Wochen stand ich morgens auf, ohne mich zuerst vorsichtig aufzurollen und am Bettrand abzustützen.
Es war kein magischer Moment. Eher eine stille Erleichterung.
Der Moment mit meiner Uhr
Ungefähr in der dritten Woche schaute ich morgens zufällig in die Schlaf-App meiner Apple Watch.
Die Tiefschlafphasen waren länger als in den Monaten davor.
Natürlich weiß ich, dass eine Schlaf-App keine medizinische Diagnose ist. Aber für mich war sie ein zusätzliches Zeichen dafür, dass ich ruhiger schlafe.
Ich saß am Küchentisch und starrte auf diese kleine Grafik.
Und ja, ich musste mit den Tränen kämpfen.
Zwei Monate später
Ich möchte nicht nur von den ersten guten Wochen erzählen. Solche Berichte habe ich früher selbst misstrauisch gelesen.
Deshalb ganz ehrlich: Der Effekt ist geblieben.
Ich wache heute ohne Nacken- und Schulterschmerzen auf. Und meine nächtlichen Wohnzimmerbesuche sind praktisch verschwunden.
Dieter hat sich mein Kissen übrigens immer öfter „ausgeliehen", wenn er dachte, ich merke es nicht.
Vor zwei Wochen hat er sich, ohne ein Wort zu mir, selbst eins bestellt.
Jetzt fragt er auch nicht mehr, warum ich „so viel Geld für ein Kissen" ausgegeben habe.
Warum ich das aufschreibe
Ich schreibe das auf, weil mir vorher wenig anderes wirklich geholfen hatte.
In den letzten Wochen habe ich drei Freundinnen davon erzählt. Jedes Mal kam dieselbe Antwort:
„Warum hat mir das nie jemand erklärt?"
Genau deshalb schreibe ich das auf.
Weil so viele Menschen jeden Morgen so aufwachen, wie ich damals aufgewacht bin. Weil sie denken, das gehöre zum Älterwerden, zum Schreibtischjob oder einfach zum Alltag dazu.
Meine Schublade mit dem Kissenfriedhof hat seit über drei Monaten keinen Zuwachs mehr bekommen.
Das hätte ich mir vor einem halben Jahr nicht träumen lassen.
Ich habe Lena gefragt, ob ich den Link, den sie mir damals geschickt hat, hier weitergeben darf.
Sie meinte: „Dafür ist er da."
Liebe Sabine, das hätte von mir sein können. Ohne heiße Dusche komme ich morgens gar nicht in die Gänge. Hab das Kissen gestern über deinen Link bestellt, mal schauen ob das was ist. LG Petra
Liebe Petra, hab am Anfang ein bisschen Geduld, die ersten Nächte sind ungewohnt. Bei mir hat es eine knappe Woche gedauert, dann wurde es spürbar besser. Liebe Grüße Sabine
kleines update von mir, das kissen ist jetzt eine woche da. mein mann hat noch gelacht als das paket kam (schon wieder eins??) und jetzt liegt ER drauf und ich durfte nochmal bestellen 😂 kommt dir sicher bekannt vor
Danke für den ehrlichen Bericht. Gut dass du schreibst dass die erste Nacht komisch war, sowas liest man sonst nirgends. Meine Physio hat mir das mit der Lücke fast genauso erklärt.
Frage, ich bin Seitenschläferin und hab ziemlich breite Schultern. Welche Seite nimmt man da, die hohe oder die flache?
Die höhere! Genau dafür sind die zwei Seiten ja da. Lena sagt immer, je breiter die Schulter desto höher muss das Kissen sein.
Also ich bin ehrlich gesagt skeptisch. Ich hab in 15 Jahren bestimmt 8 Kissen durch, bei mir ist es keine Schublade sondern eine ganze Kommode. Wieso soll das jetzt anders sein als die ganzen ergonomischen Dinger??
Verstehe ich total, mir gings genauso. Für mich machts die Wölbung vorne aus, die trägt den Nacken wirklich und legt nicht nur den Kopf hoch. Und du kannst es zurückschicken wenns nichts ist, das hat mir damals die Entscheidung leichter gemacht. Der Link ist der hier.
Ich hab meiner Frau ihres heimlich mitbenutzt, bis sie's gemerkt hat – genau wie bei Ihrem Dieter, hab ich gelesen. Mittlerweile hab ich mein eigenes. Die Schulter ist morgens locker, das war seit Jahren nicht mehr so.
wo gibts das kissen denn genau? im geschäft finde ich immer nur die normalen nackenstützkissen und davon hab ich schon zwei...
Liebe Christa, im Geschäft hab ich es auch nie gesehen, das gibts nur online. Das ist der Link den Lena mir geschickt hat.
War letzte Woche bei der Physio und hab vom Kissenloch erzählt. Er kannte den Begriff nicht aber meinte, genau das ist tatsächlich einer der häufigsten Gründe für Verspannungen am Morgen, sagt einem nur keiner. Toller Beitrag!
3 wochen zwischenstand: die kopfschmerzen mit denen ich fast jeden morgen aufgewacht bin sind weg, seit tag 10 nichts mehr. dass die vom nacken kommen hätte ich nie gedacht
Als Namensvetter Ihres Mannes musste ich schmunzeln. Ich klage auch nicht. Bestellt hab ich trotzdem. Meine Frau muss das hier ja nicht lesen ;)
hab das kissen nach deinem beitrag meiner mutter geschenkt, sie ist 74. nach einer woche hat sie mich angerufen und geweint weil sie endlich mal wieder durchgeschlafen hat. musste das einfach loswerden, danke!
Ach Anja, jetzt hab ich Gänsehaut. Grüß deine Mutter ganz herzlich von mir!
wie lange hat es bei dir gedauert bis sich das normal angefühlt hat? bin jetzt in nacht 2 und noch nicht so überzeugt...
Liebe Marlene, bei mir waren es ein paar Nächte. Bleib dran! Dein altes Kissen hat sich normal angefühlt und war ja genau das Problem ;)
Funktioniert das auch für Rückenschläfer oder ist das nur für Seitenschläfer gedacht?
Lieber Gerhard, laut meiner Tochter nehmen Rückenschläfer die flachere Seite, die Wölbung stützt dann von unten. Mein Mann schläft auch meistens am Rücken und kommt gut zurecht.
Hab deinen Beitrag in der Yogagruppe herumgezeigt, jetzt haben wir zu viert so ein Kissen 😄 Unsere Trainerin sagt sie merkt den Unterschied bei den Schulterübungen. Dass wir mit über 60 noch übers Kissen fachsimpeln, wer hätte das gedacht.
Ich hab mich auch immer gefragt, ob "besser schlafen" nur Einbildung ist. Ist es nicht. Ich schlafe seit dem Kissen wirklich durch. Danke fürs Teilen!
gerade bestellt. mein mann hat 3 bandscheiben ops hinter sich, wir probieren mittlerweile alles was seriös klingt. dein text war der erste der mir das problem mal richtig erklärt hat statt nur was zu versprechen
Liebe Sabine, ich lese deinen Blog schon lange und das ist finde ich dein wichtigster Beitrag bisher. Kissen ist seit 2 Wochen da, die Steifheit am Morgen ist weg. Sag deiner Lena ein großes Danke von einer fremden Leserin!
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