Sabine schreibt schmerzfrei

Meine Nacken- und Schulterschmerzen hielten mich fast davon ab, Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Dann zeigte sie mir als Physiotherapeutin, was ich ändern musste.

Meine Nacken- und Schulterschmerzen hielten mich fast davon ab, Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Dann zeigte sie mir als Physiotherapeutin, was ich ändern musste.

Sabine und ihre Tochter Lena

Vor zwei Monaten hat uns unsere Tochter Lena eingeladen, nach ihrer Einweihungsfeier übers Wochenende bei ihr zu übernachten.

Natürlich möchte man als Mutter Zeit mit der eigenen Tochter verbringen. Trotzdem war ich kurz davor, abzusagen.

Nicht wegen der Fahrt. Nicht wegen der Feier. Nicht wegen der Arbeit.

Sondern wegen meiner Nacken- und Schulterschmerzen, die mich schon lange begleiten.

Zu Hause ist mein Mann Dieter es inzwischen gewohnt, dass ich mitten in der Nacht aufstehe und mich kurz ins Wohnzimmer setze. Die Schmerzen waren manchmal einfach nicht auszuhalten.

Aber ich wollte weder den Schlaf meiner Tochter stören noch morgens schlecht gelaunt sein, weil ich wieder am längsten brauche, um in die Gänge zu kommen. Ganz zu schweigen davon, nach Schmerztabletten zu fragen.

Ich habe bei jedem kleinen Geräusch während des Schlafens sofort ein schlechtes Gewissen. Deshalb wollte ich meiner Tochter ersparen, dass ich nachts durch ihre Wohnung schleiche oder morgens kaum ansprechbar bin.

Ich hatte einfach das Gefühl, ich würde ihnen die Stimmung verderben.

Planlos gingen meine Tage los

Ich bin jemand, der Probleme normalerweise sofort lösen möchte.

Und genau deshalb hatte ich schon fast alles ausprobiert, um diese Schmerzen und Verspannungen loszuwerden — leider ohne nachhaltigen Erfolg.

Ibuprofen, damit ich überhaupt einschlafen konnte. Physiotherapie mit Übungen. Eine Massagepistole. Wärme. Sogar einen neuen Matratzentopper.

Und im Schlafzimmer hatte sich die unterste Schublade mit Kissen gefüllt.

Das Nackenstützkissen aus der Apotheke. Das teure aus dem Sanitätshaus. Ein höhenverstellbares. Ein Wasserkissen. Und eins, bei dem ich mich gar nicht mehr richtig erinnere, warum ich es damals gekauft habe.

Schublade mit alten Kissen
Dieter nennt die Schublade den „Kissenfriedhof".

Dieter nennt die Schublade mittlerweile den „Kissenfriedhof". Ehrlich gesagt hat er damit nicht ganz unrecht.

Trotzdem sagte ich zur Übernachtung bei meiner Tochter zu.

Ich brachte es einfach nicht übers Herz, Lena abzusagen — vor allem, weil wir schon länger nichts zusammen unternommen hatten.

Die erste Nacht bei Lena

Ich legte mich wie immer auf die rechte Seite.

In Gedanken plante ich schon, wie ich nachts möglichst leise ins Wohnzimmer schleichen könnte, ohne die anderen zu wecken.

Als ich jedoch die Augen öffnete, war es bereits hell.

7:40 Uhr.

Ich hatte durchgeschlafen.

Kein tauber Arm. Kein Kribbeln. Kein Wandern ins Wohnzimmer.

Dieter meinte, es liege bestimmt an der Erschöpfung von der Hinfahrt. Und ich stimmte ihm erst einmal zu.

Aber irgendwie ließ mich die Nacht nicht los.

Beim Mittagessen drehte ich den Kopf ziemlich schnell nach links. Erst danach fiel mir auf: Mein Nacken hatte nicht wehgetan.

Dass ausgerechnet Lenas Gästebett mein Problem lösen könnte, glaubte ich trotzdem nicht. Dafür hatte ich schon zu vielen Bettartikeln eine Chance gegeben.

In der zweiten Nacht wartete ich fast schon auf den Schmerz.

Er kam nicht.

Sonntagfrüh, halb acht: wieder durchgeschlafen.

Ich saß auf der Bettkante und dachte kurz, ich würde noch träumen.

Selbst Dieter war verwundert.

„Du bist das ganze Wochenende kein einziges Mal ins Wohnzimmer gegangen."

Während beim Frühstück alle überlegten, was wir essen möchten, hatte ich nur einen Gedanken im Kopf:

Warum kann ich hier durchschlafen und ohne Nacken- oder Schulterschmerzen aufwachen?

Frühstück am Küchentisch
Beim Frühstück am Sonntag – hier hat mir Lena alles erklärt.

„Es ist nicht das Bett"

Nach dem Frühstück nahm ich Lena kurz zur Seite.

„Lena, ich wache seit Jahren mit Schmerzen auf. Woher hast du dieses Bett?"

Sie musste erst einmal lachen.

„Es ist nicht das Bett", sagte sie.

Dann wollte sie mir unbedingt etwas zeigen.

Lena arbeitet seit vier Jahren als Physiotherapeutin. Wie ich später erfahren habe, hatte sie selbst vor einiger Zeit ähnliche Probleme beim Schlafen.

Sie nahm das Kissen vom Bett und bat mich, mich wieder hinzulegen — in genau der seitlichen Position, in der ich normalerweise schlafe.

Dann zeigte sie auf den Bereich unter meinem Nacken.

„Spürst du das?", fragte sie mich.

Ihre Hand lag zwischen meinem Kopf und meiner Schulter.

„Hier ist eine Lücke. Dein Kopf und deine Schulter liegen auf, aber dein Nacken hängt dazwischen in der Luft. Wir nennen das in der Praxis manchmal das Kissenloch."
Die Lücke zwischen Kopf und Schulter
Genau das meinte sie: das Kissenloch.

Dann sagte sie:

„Und weißt du, wer diese Lücke die ganze Nacht ausgleicht? Deine Muskeln. Dein Nacken, deine Schultern, dein oberer Rücken. Acht Stunden lang. Jede Nacht."

Das machte plötzlich Sinn.

„Dann kannst du deinen Muskeln auch nicht übel nehmen, wenn sie morgens schmerzen oder verspannt sind", sagte sie.

Sie drückte leicht auf meine Schulter.

„Wenn dein Nacken nicht richtig gestützt wird, kann auch die Schulter stärker belastet werden. Und wenn dabei über Stunden Druck entsteht, kann sich das bei manchen Menschen auch als Kribbeln oder eingeschlafener Arm bemerkbar machen."

Zu hoch, zu flach oder einfach falsch

„Und was ist mit meinen Kissen?", fragte ich.

Lena nickte in Richtung meiner imaginären Kissen-Schublade.

„Die meisten Kissen sind entweder zu hoch oder zu flach. Dann knickt der Kopf entweder nach oben oder sinkt nach unten. In beiden Fällen bleibt der Nacken nicht in einer natürlichen Position."

„Aber ich hatte doch schon feste Kissen", sagte ich.

„Fest allein reicht nicht", antwortete sie. „Es muss zu deiner Schulterbreite und deiner Schlafposition passen. Und es darf nicht so hart sein, dass es sich anfühlt, als würdest du auf einem Ziegelstein schlafen."

„Und dein komisches Kissen?", fragte ich.

Sie drehte es um.

„Dieses hier hat zwei unterschiedlich hohe Seiten. Du probierst einfach aus, welche Höhe besser zu dem Abstand zwischen deiner Schulter und deinem Kopf passt. Die Wölbung ist dafür da, den Nacken zu stützen. Und der Memory Foam passt sich etwas an, statt sofort komplett zusammenzufallen."

Das Kissen mit der Wölbung
Sieht unscheinbar aus – aber die Form macht den Unterschied.

Was der Orthopäde im Ärztezentrum erklärte

„Und woher weißt du das alles so genau?", fragte ich Lena.

„Weil der Cheforthopäde aus unserem Ärztezentrum uns darauf aufmerksam gemacht hat", sagte sie. „Seine Frau hatte nach einer Schulteroperation lange Schwierigkeiten, auf der Seite zu schlafen. Sie hatte vieles ausprobiert, aber erst mit einem Kissen, das ihren Nacken besser stützte, konnte sie wieder ruhiger schlafen."

Seitdem achtet er bei vielen Patienten zuerst darauf, wie sie nachts liegen — besonders bei Menschen, die morgens regelmäßig mit Nacken- oder Schulterschmerzen aufwachen.

„Natürlich ist ein Kissen nicht die Lösung für alles", sagte Lena. „Aber wenn die Schlafposition jede Nacht wieder dieselbe Fehlbelastung erzeugt, ist das ein Punkt, den man nicht ignorieren sollte."

Das war der Moment, in dem ich wirklich zuhörte.

Nicht, weil jemand mir ein Wunder versprach. Sondern weil mir zum ersten Mal jemand nachvollziehbar erklärte, warum Yoga und Physiotherapie tagsüber helfen konnten — und die Nacht vieles davon wieder zunichtemachte.

Die ersten zwei Wochen zu Hause

Auf der Heimfahrt schickte Lena mir eine Nachricht:

Lena „Mama, hier ist der Link zu dem Kissen. Es ist das Gleiche, das ich zu Hause habe. Ich meine es ernst mit dem, was ich dir erzählt habe. Probier es bitte länger aus — nicht nur zwei oder drei Nächte."

Ich bestellte es, als wir wieder zu Hause waren.

Beim Auspacken war ich skeptisch. Es roch kurz nach neuem Schaumstoff. Und ich dachte sofort: Bitte nicht schon wieder ein Kissen für die Schublade.

Die ersten Nächte fühlten sich ungewohnt an. Ich gab ihm aber die Zeit, die Lena empfohlen hatte.

Nach einigen Tagen merkte ich, dass ich morgens nicht mehr mit diesem steifen, „dichten" Nackengefühl aufwachte.

Nach etwa einer Woche schlief mein Arm nachts nicht mehr ein.

Und nach zwei Wochen stand ich morgens auf, ohne mich zuerst vorsichtig aufzurollen und am Bettrand abzustützen.

Es war kein magischer Moment. Eher eine stille Erleichterung.

Der Moment mit meiner Uhr

Ungefähr in der dritten Woche schaute ich morgens zufällig in die Schlaf-App meiner Apple Watch.

Die Tiefschlafphasen waren länger als in den Monaten davor.

Natürlich weiß ich, dass eine Schlaf-App keine medizinische Diagnose ist. Aber für mich war sie ein zusätzliches Zeichen dafür, dass ich ruhiger schlafe.

Schlaf-App mit Tiefschlafphasen
Die Grafik, die mich morgens am Küchentisch überrascht hat.

Ich saß am Küchentisch und starrte auf diese kleine Grafik.

Und ja, ich musste mit den Tränen kämpfen.

Zwei Monate später

Ich möchte nicht nur von den ersten guten Wochen erzählen. Solche Berichte habe ich früher selbst misstrauisch gelesen.

Deshalb ganz ehrlich: Der Effekt ist geblieben.

Ich wache heute ohne Nacken- und Schulterschmerzen auf. Und meine nächtlichen Wohnzimmerbesuche sind praktisch verschwunden.

Dieter hat sich mein Kissen übrigens immer öfter „ausgeliehen", wenn er dachte, ich merke es nicht.

Vor zwei Wochen hat er sich, ohne ein Wort zu mir, selbst eins bestellt.

Jetzt fragt er auch nicht mehr, warum ich „so viel Geld für ein Kissen" ausgegeben habe.

Sabine und Dieter liegen gemeinsam auf den Kissen
Zwei Monate später liegen zwei davon bei uns. Seins und meins.

Warum ich das aufschreibe

Ich schreibe das auf, weil mir vorher wenig anderes wirklich geholfen hatte.

In den letzten Wochen habe ich drei Freundinnen davon erzählt. Jedes Mal kam dieselbe Antwort:

„Warum hat mir das nie jemand erklärt?"

Genau deshalb schreibe ich das auf.

Weil so viele Menschen jeden Morgen so aufwachen, wie ich damals aufgewacht bin. Weil sie denken, das gehöre zum Älterwerden, zum Schreibtischjob oder einfach zum Alltag dazu.

Meine Schublade mit dem Kissenfriedhof hat seit über drei Monaten keinen Zuwachs mehr bekommen.

Das hätte ich mir vor einem halben Jahr nicht träumen lassen.

Ich habe Lena gefragt, ob ich den Link, den sie mir damals geschickt hat, hier weitergeben darf.

Sie meinte: „Dafür ist er da."

Hier ist das Kissen mit zwei unterschiedlich hohen Seiten und Nackenwölbung, das bei mir den Unterschied gemacht hat →

23 Kommentare
P
Petra H.
Kommentiert am 14. Mai  ·  Antworten

Liebe Sabine, das hätte von mir sein können. Ohne heiße Dusche komme ich morgens gar nicht in die Gänge. Hab das Kissen gestern über deinen Link bestellt, mal schauen ob das was ist. LG Petra

S
Sabine
Kommentiert am 14. Mai  ·  Antworten

Liebe Petra, hab am Anfang ein bisschen Geduld, die ersten Nächte sind ungewohnt. Bei mir hat es eine knappe Woche gedauert, dann wurde es spürbar besser. Liebe Grüße Sabine

R
Renate
Kommentiert am 17. Mai  ·  Antworten

kleines update von mir, das kissen ist jetzt eine woche da. mein mann hat noch gelacht als das paket kam (schon wieder eins??) und jetzt liegt ER drauf und ich durfte nochmal bestellen 😂 kommt dir sicher bekannt vor

K
Karin B.
Kommentiert am 20. Mai  ·  Antworten

Danke für den ehrlichen Bericht. Gut dass du schreibst dass die erste Nacht komisch war, sowas liest man sonst nirgends. Meine Physio hat mir das mit der Lücke fast genauso erklärt.

M
Martina
Kommentiert am 21. Mai  ·  Antworten

Frage, ich bin Seitenschläferin und hab ziemlich breite Schultern. Welche Seite nimmt man da, die hohe oder die flache?

S
Sabine
Kommentiert am 21. Mai  ·  Antworten

Die höhere! Genau dafür sind die zwei Seiten ja da. Lena sagt immer, je breiter die Schulter desto höher muss das Kissen sein.

H
Helga
Kommentiert am 23. Mai  ·  Antworten

Also ich bin ehrlich gesagt skeptisch. Ich hab in 15 Jahren bestimmt 8 Kissen durch, bei mir ist es keine Schublade sondern eine ganze Kommode. Wieso soll das jetzt anders sein als die ganzen ergonomischen Dinger??

S
Sabine
Kommentiert am 23. Mai  ·  Antworten

Verstehe ich total, mir gings genauso. Für mich machts die Wölbung vorne aus, die trägt den Nacken wirklich und legt nicht nur den Kopf hoch. Und du kannst es zurückschicken wenns nichts ist, das hat mir damals die Entscheidung leichter gemacht. Der Link ist der hier.

W
Wolfgang
Kommentiert am 25. Mai  ·  Antworten

Ich hab meiner Frau ihres heimlich mitbenutzt, bis sie's gemerkt hat – genau wie bei Ihrem Dieter, hab ich gelesen. Mittlerweile hab ich mein eigenes. Die Schulter ist morgens locker, das war seit Jahren nicht mehr so.

C
Christa
Kommentiert am 27. Mai  ·  Antworten

wo gibts das kissen denn genau? im geschäft finde ich immer nur die normalen nackenstützkissen und davon hab ich schon zwei...

S
Sabine
Kommentiert am 27. Mai  ·  Antworten

Liebe Christa, im Geschäft hab ich es auch nie gesehen, das gibts nur online. Das ist der Link den Lena mir geschickt hat.

B
Brigitte
Kommentiert am 30. Mai  ·  Antworten

War letzte Woche bei der Physio und hab vom Kissenloch erzählt. Er kannte den Begriff nicht aber meinte, genau das ist tatsächlich einer der häufigsten Gründe für Verspannungen am Morgen, sagt einem nur keiner. Toller Beitrag!

U
Ursula
Kommentiert am 2. Juni  ·  Antworten

3 wochen zwischenstand: die kopfschmerzen mit denen ich fast jeden morgen aufgewacht bin sind weg, seit tag 10 nichts mehr. dass die vom nacken kommen hätte ich nie gedacht

D
Dieter K.
Kommentiert am 4. Juni  ·  Antworten

Als Namensvetter Ihres Mannes musste ich schmunzeln. Ich klage auch nicht. Bestellt hab ich trotzdem. Meine Frau muss das hier ja nicht lesen ;)

A
Anja
Kommentiert am 6. Juni  ·  Antworten

hab das kissen nach deinem beitrag meiner mutter geschenkt, sie ist 74. nach einer woche hat sie mich angerufen und geweint weil sie endlich mal wieder durchgeschlafen hat. musste das einfach loswerden, danke!

S
Sabine
Kommentiert am 6. Juni  ·  Antworten

Ach Anja, jetzt hab ich Gänsehaut. Grüß deine Mutter ganz herzlich von mir!

M
Marlene
Kommentiert am 10. Juni  ·  Antworten

wie lange hat es bei dir gedauert bis sich das normal angefühlt hat? bin jetzt in nacht 2 und noch nicht so überzeugt...

S
Sabine
Kommentiert am 10. Juni  ·  Antworten

Liebe Marlene, bei mir waren es ein paar Nächte. Bleib dran! Dein altes Kissen hat sich normal angefühlt und war ja genau das Problem ;)

G
Gerhard
Kommentiert am 14. Juni  ·  Antworten

Funktioniert das auch für Rückenschläfer oder ist das nur für Seitenschläfer gedacht?

S
Sabine
Kommentiert am 14. Juni  ·  Antworten

Lieber Gerhard, laut meiner Tochter nehmen Rückenschläfer die flachere Seite, die Wölbung stützt dann von unten. Mein Mann schläft auch meistens am Rücken und kommt gut zurecht.

E
Elfriede
Kommentiert am 18. Juni  ·  Antworten

Hab deinen Beitrag in der Yogagruppe herumgezeigt, jetzt haben wir zu viert so ein Kissen 😄 Unsere Trainerin sagt sie merkt den Unterschied bei den Schulterübungen. Dass wir mit über 60 noch übers Kissen fachsimpeln, wer hätte das gedacht.

S
Susanne
Kommentiert am 22. Juni  ·  Antworten

Ich hab mich auch immer gefragt, ob "besser schlafen" nur Einbildung ist. Ist es nicht. Ich schlafe seit dem Kissen wirklich durch. Danke fürs Teilen!

R
Rosi
Kommentiert am 28. Juni  ·  Antworten

gerade bestellt. mein mann hat 3 bandscheiben ops hinter sich, wir probieren mittlerweile alles was seriös klingt. dein text war der erste der mir das problem mal richtig erklärt hat statt nur was zu versprechen

H
Hannelore
Kommentiert am 5. Juli  ·  Antworten

Liebe Sabine, ich lese deinen Blog schon lange und das ist finde ich dein wichtigster Beitrag bisher. Kissen ist seit 2 Wochen da, die Steifheit am Morgen ist weg. Sag deiner Lena ein großes Danke von einer fremden Leserin!

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Was der Ausflug an den Wolfgangsee mich über Pausen gelehrt hat

Dieter und ich sind letzte Woche spontan an den Wolfgangsee gefahren. Kein Anlass, kein Geburtstag, kein Feiertag. Einfach so, an einem Dienstag.

Ich musste erst lernen, dass man das darf.

Meine Mutter hätte gesagt: „Ausflüge macht man, wenn die Arbeit getan ist." Das Problem ist nur – die Arbeit ist nie getan. Das begreife ich mit 48 langsam.

Wir saßen zwei Stunden auf einer Bank in St. Gilgen, haben Schifferl geschaut und geschwiegen. Es war das beste Gespräch seit Langem.

Auf der Heimfahrt sagte Dieter: „Das machen wir jetzt öfter." Von einem Mann, der Pausen für Zeitverschwendung hält, ist das eine Kampfansage.

Vielleicht ist das mein Rat für diese Woche: Sucht euch einen Dienstag aus. Fahrt irgendwohin, wo Wasser ist. Die Wäsche wartet auch bis Mittwoch.

Sonntagssuppe für schlechte Tage (Rezept meiner Großmutter)

Es gibt Tage, da hilft kein gutes Zureden. Da hilft nur Suppe.

Dieses Rezept stammt von meiner Großmutter, die es „Suppe für schlechte Tage" nannte. Sie hat sie gekocht, wenn jemand krank war, traurig war oder beides gleichzeitig.

Man braucht: ein Suppenhuhn, drei Karotten, ein Stück Sellerie, eine Pastinake, eine ganze Zwiebel mit Schale, Liebstöckel (das ist das Geheimnis), Salz und Zeit. Vor allem Zeit.

Das Huhn mit dem Gemüse ansetzen, aufkochen, dann drei Stunden nur ganz leise ziehen lassen. Nicht sprudeln! Großmutter sagte immer: „Die Suppe darf nur lächeln, nicht lachen."

Am Ende das Fleisch zupfen, die Brühe abseihen, mit Nudeln oder Grießnockerl servieren. Und dann jemandem eine Schüssel bringen, der gerade einen schlechten Tag hat.

Das wirkt übrigens auch, wenn man sie sich selbst bringt.

Warum ich sonntags das Handy komplett weglege

Seit einem Jahr lege ich das Handy sonntags von acht Uhr morgens bis abends komplett weg. Am Anfang war das schwerer als gedacht.

Ich hab mich dabei ertappt, wie ich ständig zur Hosentasche gegriffen habe, obwohl gar nichts da war.

Mittlerweile freu ich mich richtig auf diesen Tag. Dieter und ich frühstücken länger, gehen spazieren, und ich lese wieder richtige Bücher statt nur Nachrichten zu überfliegen.

Was mich am meisten überrascht hat: Ich hab nichts verpasst. Alles, was wichtig war, war am Montag immer noch da.

Der Herbstspaziergang, den wir jedes Jahr wiederholen

Jedes Jahr im Oktober fahren Dieter und ich an denselben Waldweg bei uns in der Nähe.

Es begann eigentlich aus Zufall, vor über zehn Jahren. Mittlerweile ist es Tradition.

Die Blätter sind dort besonders bunt, und es gibt eine Bank, auf der wir uns immer für ein Stück Kuchen aus der Thermoskanne hinsetzen.

Lena hat letztes Jahr gefragt, ob sie mitkommen darf. Vielleicht wird aus unserem Spaziergang zu zweit bald einer zu dritt.

Was mir mein Garten über Geduld beigebracht hat

Vor drei Jahren hab ich angefangen, unseren Garten selbst zu bepflanzen. Am Anfang ist mir fast alles eingegangen.

Ich hab gelernt: Man kann eine Pflanze nicht dazu zwingen, schneller zu wachsen.

Genau das hat mir auch außerhalb des Gartens geholfen. Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit, egal wie ungeduldig man ist.

Dieses Jahr blühen zum ersten Mal die Rosen, die ich vor zwei Jahren gepflanzt habe. Es hat sich gelohnt, dranzubleiben.

Drei Dinge, die ich an schlechten Tagen tue

Nicht jeder Tag ist gut, das weiß jeder. Über die Jahre hab ich mir drei kleine Dinge angewöhnt, die mir an schlechten Tagen helfen.

Erstens: Rausgehen, egal bei welchem Wetter. Auch nur zehn Minuten.

Zweitens: Jemanden anrufen, statt nur zu schreiben. Eine Stimme hilft mehr als Textnachrichten.

Drittens: Mir bewusst machen, dass der Tag auch wieder vorbeigeht. Das klingt banal, hilft mir aber jedes Mal.

Wie Dieter und ich Streit ohne Drama lösen

Nach über 25 Jahren Ehe streiten Dieter und ich immer noch, keine Frage.

Was sich verändert hat, ist wie wir es tun. Wir haben eine Regel: Nie im Streit ins Bett gehen, ohne wenigstens „gute Nacht" zu sagen.

Manchmal reicht das schon, um am nächsten Morgen ruhiger über die Sache zu reden.

Es ist keine große Weisheit. Aber sie hat uns schon oft geholfen.

Das Ritual mit meiner besten Freundin Renate

Renate und ich kennen uns seit der Schulzeit. Seit einigen Jahren treffen wir uns jeden ersten Sonntag im Monat, egal was ist.

Manchmal reden wir stundenlang, manchmal sitzen wir einfach nur nebeneinander und lesen.

Was mir daran am meisten gefällt: Es gibt keinen Druck, etwas Besonderes zu planen. Der Sonntag gehört einfach uns.

Ich glaube, jeder sollte so einen festen Termin mit einer Freundin haben.

Warum ich mit 58 wieder Klavier lernen wollte

Als Kind hab ich acht Jahre Klavier gelernt und irgendwann aufgehört. Letztes Jahr hab ich wieder angefangen.

Am Anfang war ich frustriert, wie viel ich vergessen hatte. Meine Finger wollten einfach nicht mehr das, was ich im Kopf wusste.

Aber nach ein paar Monaten kam vieles zurück. Und ich hab gemerkt: Es macht nichts, dass ich langsamer lerne als früher.

Letzte Woche hab ich zum ersten Mal wieder ein ganzes Stück fehlerfrei durchgespielt. Dieter hat extra applaudiert.

Lenas erste eigene Wohnung – was ich beim Helfen gelernt habe

Als Lena vor Kurzem in ihre erste eigene Wohnung gezogen ist, wollte ich am liebsten alles für sie organisieren.

Sie hat mir freundlich, aber bestimmt gesagt: „Mama, lass mich das selbst machen."

Das war schwerer für mich als für sie, glaub ich.

Am Ende hab ich gelernt, dass Helfen manchmal bedeutet, einfach nur da zu sein, wenn man gefragt wird. Nicht mehr, nicht weniger.

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